Progesteron

In diesem Artikel geht es um Progesteron. Obwohl es vor allem bei Frauen vorkommt, spielt es im Bodybuilding eine wichtige Rolle, unter anderem wenn es durch bestimmte Steroide (Nandrolon, Trenbolon) erhöht ist bzw diese Steroide eine Progesteronwirkung haben. Alle Infos dazu bekommst du wie immer von unserer Redaktion in folgendem Artikel!

 

 

Allgemeines

Progesteron ist wie Östrogen auch ein weibliches Geschlechtshormon, obwohl es auch im männlichen Körper vorkommt. Es wird bei Frauen vor allem im Gelbkörper (Corpus luteum) hergestellt und heißt deshalb auch Gelbkörperhormon. Der Gelbkörper entsteht nach jedem Eisprung aus den geplatzten Eibläschen (Follikel), die im Eierstock zurückbleiben. Deshalb ist bei Frauen die Konzentration von Progesteron im Blut am höchsten in der mittleren Lutealphase ihres Menstruationszyklus. Das ist etwa der 5. bis 8. Tage nach dem Eisprung.

Bei Männern und Frauen stellen auch die Nebennierenrinden Progesteron her, allerdings nur in kleinen Mengen. Aus Progesteron werden im Körper viele andere Hormone hergestellt, zum Beispiel Androgene, Cortisol oder Aldosteron.

Bei Männern liegen unabhängig vom Alter die Progesteron-Normwerte bei < 0,16 bis 0,48 nmol/l.

 

Nebenwirkungen

Im Bodybuilding verursacht Progesteron eine Zunahme bzw. ein schnelleres Auftreten von östrogenbedingten Nebenwirkungen wie Gynäkomastie (Brustdrüsenwachstum beim Mann), Wassereinlagerungen, Stimmungsschwankungen, Libidoverlust sowie erektile Dysfunktion. Dazu kommt noch die Progesteronwirkung selbst, eine Erhöhung von Prolaktin, was zum Laktieren der Brustdrüsen führt (auf Deutsch gesagt: Milch schießt ein, sehr unangenehm für Männer^^).

 

Um die Progesteronwirkung zu verhindern/den Prolaktinspiegel niedrig zu halten, haben sich die Wirkstoffe Cabergolin und Bromocriptin als Mittel der Wahl erwiesen. Beide sollten aber vorsichtig eingesetzt werden, weil sie selbst nicht zu unterschätzende Nebenwirkungen haben.

 

Progesteron bei einer Hormon-Ersatztherapie kann zu Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schmierblutungen, Schwindelgefühl, depressiver Verstimmung, Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfen und Spannungsgefühl in der Brust führen. Daneben können Wassereinlagerungen im Gewebe, Akne, Fettstoffwechselstörungen und Hautreizungen auftreten.

Sollte es zu plötzlicher Gelbsucht, starken Kopfschmerzen, Juckreiz sowie Seh- und Hörstörungen kommen, muss die Behandlung abgebrochen werden. Eine langjährige Hormonersatztherapie ist nicht empfehlenswert. Bei der Pille danach kann es zu den gleichen Progesteron Nebenwirkungen kommen.

 

Anwendungsbereiche

Im Bodybuilding hat man für Progesteron keine Verwendung.

Im medizinischen Bereich gibt es künstlich hergestellte Hormone, die ähnliche Wirkungen haben wie das natürliche Progesteron. Diese Hormone heißen Gestagene. Sie finden sich in Hormonpräparaten, die zum Beispiel zur Schwangerschaftsverhütung („Pille“), bei Wechseljahresbeschwerden oder gegen Akne eingesetzt werden. (bei Frauen)

Der Einsatz von Gestagenen bei Männern ist momentan nur in ganz speziellen Fällen vorgesehen, zum Beispiel bei Burn-Out, Alzheimer oder seniler Demenz.

Wer es genau wissen will – aus biochemischer Sicht

Progesteron reguliert zusammen mit Östrogenen den weiblichen Zyklus und bereitet den Körper auf eine Schwangerschaft vor: Progesteron sorgt dafür, dass das Ei befruchtet werden und sich in der Gebärmutterschleimhaut einnisten kann, dass die Schwangerschaft erhalten bleibt und sich die Brustdrüsen auf die Milchsekretion vorbereiten. Deshalb wird bei Schwangeren Progesteron zusätzlich in der Plazenta (Mutterkuchen) produziert.

Erhöhte Progesteronwerte ergeben sich (vom Gebrauch von Nandrolon sowie Trenbolon abgesehen) im medizinischen Bereich neben der Schwangerschaft vor allem bei Eierstocktumoren und beim adrenogenitalen Syndrom (AGS). Bei Zyklusstörungen und beim sogenannten Hypogonadismus, einer Unterentwicklung der Eierstöcke, ist die Progesteronkonzentration verringert.

Gestagene haben neuesten Forschungen zufolge einen regenerativen Effekt auf Nervenzellen. Sowohl das Progesteron, aber auch die Vorstufe, das Pregnenolon, aktivieren den LIF, den „Leucaemia inhibiting factor“, der nicht nur Leukämie (Blutkrebs der weißen Blutkörperchen) verhindert, sondern auch die Schwan`schen Zellen zu regenerativem Wachstum aktiviert. Diese Schwan`schen Zellen bilden die Hülle von Neuronen (Nervenzellen) und sie haben u.a. die Aufgabe, bei einem Bruch des Nervenstranges dessen Regenerationsweg zu bahnen.

Mit Pregnenolon ist es außerdem möglich, bei Patienten die kognitive Aktivität zu steigern.

 

Quellen

Eintrag zu Progesteron. In: Römpp Online. Georg Thieme Verlag, abgerufen am 9. Dezember 2014.

The Merck Index. An Encyclopaedia of Chemicals, Drugs and Biologicals. 14. Auflage, 2006, S. 1337 ISBN 978-0-911910-00-1.

Hochspringen nach:a b Datenblatt Progesterone ≥ 99 % bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 22. April 2011 (PDF)

Eintrag zu Progesteron in der ChemIDplus-Datenbank der United States National Library of Medicine (NLM)

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Hartmann M, Wettstein A: Ein krystallisiertes Hormon aus Corpus luteum. In: Helvetica Chimica Acta. 17, 1934, S.878–882. doi:10.1002/hlca.193401701111

Slotta KH, Ruschig H, Fels E: Reindarstellung der Hormone aus dem Corpusluteum. In: Berichte Deutsche chemische Gesellschaft. 67, 1934, S.1270–1273 doi:10.1002/cber.19340670729

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  1. Legendre, Y. Feutelais, G. Defossemont: „Importance of heat capacity determination in homogeneous nucleation: application to progesterone“, in: Thermochim. Acta, 2003, 400, S.213–219;doi:10.1016/S0040-6031(02)00492-6